
Kaum eine Pflanzenstudie hat so viele Einkaufslisten hervorgebracht wie die NASA-Arbeit aus den späten 1980er-Jahren. Untersucht wurden verschiedene Arten und aktivierte Kohlenstoffsysteme in abgedichteten Versuchsanlagen – darunter Grünlilie, Bogenhanf, Einblatt, Efeutute und einige Dracaena. Die biologischen Prozesse sind interessant; eine Rangliste wirksamer Luftreiniger für Wohnzimmer ist daraus jedoch nicht entstanden.
Was war das Ziel der NASA-Arbeit?
Die Untersuchung entstand im Kontext geschlossener Lebensräume. In solchen Systemen ist Luftaustausch begrenzt, und Schadstoffe können sich anreichern. Die Forschenden wollten prüfen, ob Pflanzen, Wurzelraum und aktivierte Kohle Bestandteile eines technischen biologischen Reinigungssystems sein könnten.
Das unterscheidet sich grundlegend von einer dekorativen Topfpflanze im Wohnzimmer. Das NASA-System kombinierte kontrollierte Kammern, definierte Stoffkonzentrationen und teilweise aktiv belüftete Filterkomponenten.
Welche Pflanzen wurden häufig zitiert?
| Pflanze | Botanischer Name | Praktische Einordnung |
|---|---|---|
| Grünlilie | Chlorophytum comosum | Pflegeleichte Blattpflanze für helles bis mäßiges indirektes Licht |
| Bogenhanf | Dracaena trifasciata | Verträgt Trockenphasen, braucht aber nutzbares Licht |
| Einblatt | Spathiphyllum-Arten | Mag gleichmäßigere Feuchtigkeit; für Haustiere problematisch |
| Efeutute | Epipremnum aureum | Rankende Pflanze; bei Verzehr reizend |
| Drachenbaum | Dracaena-Arten | Je nach Art unterschiedlich licht- und platzbedürftig |
| Gummibaum | Ficus elastica | Bevorzugt helles indirektes Licht und einen stabilen Standort |
| Bostonfarn | Nephrolepis exaltata | Benötigt mehr Aufmerksamkeit bei Wasser und Luftfeuchte |
Die Tabelle ist eine Orientierung zu bekannten Arten, keine Leistungsrangliste. Welche Verbindung unter welchen Kammerbedingungen untersucht wurde, sagt nichts über eine garantierte Reinigungsrate in einem konkreten Raum aus.
Welche Stoffe kamen in den Versuchen vor?
Zu den häufig genannten flüchtigen organischen Verbindungen gehören Formaldehyd, Benzol und Trichlorethylen. Spätere Darstellungen ergänzten je nach Studie Xylol oder Toluol. Solche Stoffe können aus Baustoffen, Möbeln, Reinigungsprodukten, Farben, Kraftstoffen oder Verbrennungsprozessen stammen.
Für die Praxis ist die Quelle entscheidend. Ein emittierendes Produkt zu entfernen oder sicher zu verwenden, ist wirksamer und besser steuerbar als auf eine unbekannte Pflanzenleistung zu hoffen.
Warum funktioniert eine Testkammer anders als ein Raum?
- Eine Kammer hat ein kleines, genau bekanntes Volumen.
- Die Schadstoffkonzentration wird gezielt eingestellt.
- Der Luftwechsel ist gering oder kontrolliert.
- Pflanzenmenge und Blattfläche sind im Verhältnis zum Volumen hoch.
- In Wohnungen entstehen und verschwinden Stoffe ständig durch Nutzung und Lüftung.
Eine spätere quantitative Übersichtsarbeit verglich die in Kammerstudien gemessenen Reinigungsraten mit üblichen Gebäude-Luftwechseln. Demnach wäre eine unpraktisch hohe Pflanzendichte nötig, um mit normalem Luftaustausch mitzuhalten. Die dort abgeleitete Größenordnung von etwa zehn bis tausend Pflanzen pro Quadratmeter dient der Einordnung, nicht als Empfehlung.
Produziert Bogenhanf nachts Sauerstoff?
Bogenhanf nutzt einen an Trockenheit angepassten Stoffwechsel und öffnet seine Spaltöffnungen überwiegend nachts. Daraus wird häufig die Aussage abgeleitet, er „versorge ein Schlafzimmer mit Sauerstoff“. Eine einzelne Topfpflanze verändert die Sauerstoff- oder Kohlendioxidkonzentration eines bewohnten Raums jedoch nicht in einer Größenordnung, die Lüftung ersetzt.
Reduziert Efeu Schimmel in der Wohnung?
Laborbeobachtungen auf Oberflächen oder in Kammern sind kein Verfahren zur Schimmelsanierung. Sichtbarer Schimmel an Wänden oder Bauteilen weist auf Feuchtigkeit hin. Die Ursache muss gefunden und behoben werden; eine Pflanze kann das Problem nicht neutralisieren.
Sind die Pflanzen deshalb nutzlos?
Nein. Die NASA-Arbeit bleibt ein interessantes Kapitel bio-technischer Forschung. Zimmerpflanzen gestalten Räume, schaffen Naturbezug und können Freude an Pflege und Wachstum vermitteln. Ihr Wert muss nicht mit einem überhöhten Luftreinigungsversprechen begründet werden.
Wähle eine Art nach Licht, Platz, Pflegeaufwand und Sicherheit. Für Haushalte mit Kindern oder Tieren solltest du zusätzlich die wissenschaftliche Artbezeichnung in einer verlässlichen Giftpflanzendatenbank prüfen.
Was verbessert Innenraumluft zuverlässig?
- Schadstoffquellen erkennen und möglichst vermeiden oder entfernen.
- Bedarfsgerecht lüften, wenn die Außenbedingungen geeignet sind.
- Verbrennungsgeräte sicher betreiben und warten.
- Feuchte- und Schimmelschäden fachgerecht beheben.
- Bei einem konkreten Partikel- oder Gasproblem einen passenden, ausreichend dimensionierten Filter wählen.
Unsere ausführliche Einordnung findest du unter Pflanzen und Innenraumluft.
Was von der berühmten Liste übrig bleibt
Als historischer Forschungsüberblick bleibt die NASA-Pflanzenliste lesenswert: Sie dokumentiert Pflanzen in geschlossenen Versuchssystemen und zeigt biologische Aufnahme- und Abbauprozesse. Für den Alltag folgt daraus keine wirksame Luftreinigung mit üblichen Pflanzenmengen. Beim Pflanzenkauf sind deshalb Licht, Platz, Pflege und Sicherheit die verlässlicheren Kriterien.
Quellen: NASA: Interior Landscape Plants for Indoor Air Pollution Abatement; Cummings & Waring: Potted plants do not improve indoor air quality; US EPA: Improving Indoor Air Quality; Royal Horticultural Society: How to grow houseplants.







